Das bin ich

Nacht der Liebe

Anime: Fairy Tail
Hauptcharakter: Jet (Indirekt: Gajeel, Levy)
Disclaimer: Hiro Mashima... nichts mir.
Inspiration: Die Idee Jet ins Rampenlicht zu rücken kommt von Rave Shadowheart. Die Geschichte ist aber natürlich von mir.
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~Nun mag die Welt in ihren Festen beben, entfesselt wüten mag das Element; denn eine neue Ära tritt ins Leben, die keinen Hass und keinen Streit mehr kennt! Durch meine Seele zieht‘s mit Zauberweben, wie’s im Herzen glückverheißend brennt! Die Pulse fliegen mir, die Lippen beben, ich fühle, das ist es, was sich Liebe nennt! Und möge alles rings im Nichts versinken, ich lebe und der Liebe Sterne winken!~ (Rainer Maria Rilke)


Kapitel 5 Nacht der Liebe


Immer wieder zerknüllte er das vor sich liegende Papier und warf es achtlos hinter sich zu Boden. Er saß an seinem Schreibtisch und brütete schon seit Stunden über einigen Zeilen, die er seiner Angebeteten schreiben wollte. Mittlerweile war es weit nach Mitternacht, doch das bemerkte der junge Mann gar nicht.
Unbeirrt zog er Zeile um Zeile feine Linien und legte somit seine Gefühle offen. Doch immer wieder schien ihm nicht zu gefallen, was er vor sich liegen sah. Er strich einzelne Worte durch, manchmal ganze Zeilen, und als es ihm zu bunt wurde, zerfetzte er das Pergament in winzige Schnipsel oder knitterte es zusammen.

Sein ganzer Fußboden diente ihm als Papierkorb. Kaum ein Millimeter der dunklen Holzdielen lag frei. Die schwache Flamme einer halb heruntergebrannten Kerze tanzte herrlich auf dem unebenen Untergrund und hinterließ mysteriöse Schattenspiele.
Der junge Mann lehnte sich zurück und faltete die Hände hinten in seinem Nacken. War es wirklich so schwer einen Liebesbrief zu schreiben?
Traurig schüttelte er den Kopf.
Nein, das war es nicht. Doch zu wissen, dass das Herz der Geliebten jemand anderem gehörte, machte es zu einem schier unmöglichen Unterfangen. Missmutig schnaubte er. Der entstandene Luftzug ließ die kleine Kerze aufflackern.

Er und sein bester Freund aus Kindheitstagen waren schon von Kindesbeinen an, in die blauhaarige kleine Fee verliebt gewesen.
Mit einem Schmunzeln erinnerte er sich an den Tag, an dem sie das erste Mal in die Gilde kam.
Gildarts hatte sie von einem Auftrag mitgebracht.
Ihre Familie fiel einem Ungeheuer zum Opfer und da sie niemanden hatte, der sich um sie kümmern konnte, übernahm Fairy Tail die Verantwortung für sie.
Trotz ihres herben Schicksalsschlages trug sie immer ein Lächeln auf den Lippen.
Gerne erinnerte er sich an ihre ersten Worte.

„Hallo ich bin Ley McGarden, freut mich euch kennenzulernen!“
Ihr Lächeln glich dem Strahlen einer Sonne und die beiden Jungen verloren an jenem schicksalshaften Tag ihre Herzen.


Seufzend lehnte er sich über den Schreibtisch und versuchte erneut, ein paar Zeilen zu Papier zu bringen.
Das silbrige Licht des Mondes spiegelte sich in der goldenen Feder seines Füllers. Wieder einmal scheiterte er. In Gedanken träumte er sich zurück in die Vergangenheit, eine Zeit, in der noch Hoffnung auf Liebe bestand.



~
„Levy-chan, möchtest du mit uns ein Team bilden?“
Die Idee stammte von meinem besten Freund und auch ich war hell auf begeistert davon. Nervös hüpften wir von einem Fuß auf den Anderen.
Nicht auszuhalten war die Spannung, ob sie ja sagen würde.
Die blauhaarige Magierin legte eine verheißungsvolle Pause ein. Die Sekunden zogen sich wie Minuten. Ich wagte kaum zu atmen und meinem Freund erging es nicht anders.
„Natürlich! Sehr gerne sogar.“
Strahlte sie dann und versetzte uns damit einen Schlag. Einen Positiven natürlich, doch voller Überraschung kippten wir aus den Latschen und landeten auf unseren, sagen wir mal Hinterteilen.
~



Der Mann am Schreibtisch grinste.
Ja, das war die Geburt von Team Shadow Gear. Stirnrunzelnd überlegte er.
Wie war es nochmal zu diesem Namen gekommen?


~
Levy saß wie immer an einem Tisch in der Gilde. Vor ihr stapelten sich Bücher aus der Bibliothek. Ihre Sturmlesebrille auf der Nase, verschlang sie Eines nach dem Anderen. Geistesabwesend setzte sie dabei den Krug Wasser an und trank ein paar Schlucke. Ihre Umgebung hatte sie wie immer völlig ausgeblendet.
Ich liebte es, sie zu beobachten. Sie schaute immer so friedlich aus und wirkte so gut zufrieden.
Erst die Hand meines Freundes auf ihrer Schulter ließ sie zusammenzucken und aus der Welt der Bücher auftauchen.
„Kommst du mit zu einem Auftrag?“ Wir grinsten fröhlich.
„Natürlich“, enthusiastisch schlug sie das vor ihr liegende Buch zu, verstaute ihre Sachen in ihrer Tasche und hakte sich zwischen uns ein.

„Moment mal“, verängstigt blieben wir stehen. Die Dämonin Mirajane stand hinter uns und ihre Stimme hallte in meinen Ohren wieder.
Gott was hatte ich damals eine Angst vor ihr.
„Was habt ihr vor?“ Ich hielt der Weißhaarigen ein Auftragsblatt unter die Nase. Sprechen konnte ich nicht, das ließ mein Körper nicht zu.
„Okay, und ihr macht das zu dritt?“ fragte diese weiter.
Mittlerweile hatten sich auch Macao und Wakaba in das Gespräch eingemischt. Levy nickte bloß. Sie schien die Aufregung nicht zu verstehen.
„Könnt ihr beide, denn auf das Mädchen aufpassen?“ fragte Wakaba und zog genüsslich an seiner Pfeife. Mit geballter Faust schlug ich mir auf die Brust und musste verwundert feststellen, dass mein Kumpel die gleiche Gestik vollführte.
Innbrünstig ließen wir verlauten, das man sich keine Sorgen um Levy machen musste. Macao lachte nur.
„Wahrscheinlich wird sie euch den Arsch retten“
Rückblickend hatte er wohl Recht, doch damals wollten wir einfach nur ihre Helden sein.

Levy kicherte und erntete dafür böse Blicke von uns.
Mal im Ernst, wie kann sie das lustig finden?
„Hat euer Team denn einen Namen?“ erklang nun die Stimme einer jungen, brünetten Frau.
„Nein, wieso?“ fragte ich.
„Na ihr braucht doch einen Namen!“ Ein maskierter Mann stimmte der Brünetten zu und legte eine Hand auf ihre Schulter.
„Ohne Namen können wir euch nicht gehen lassen.“ Nun antwortete Fried, der Einzige, den wir mit Namen kannten. Er hatte Levy in die Schriftmagie eingeführt, kurz nachdem sie zu uns stieß.

„Habt ihr denn einen?“ Kleinlaut meldete sich das Mädchen und schielte verunsichert zu dem Trio auf.
„Natürlich!“ Es war nun wieder der Maskierte der sprach.
„Wir sind die Raishinshu“ beendete die Brünette den Satz.
„Die Leibgarde von Laxus, Master Makarovs Enkel“, erklärte Fried.
Bewundernd starrten wir dem Gespann hinterher, als diese die Gildenhalle verließen.
„Wow“ flüsterte Levy, sie war beeindruckt.
„Ziemlich cool“, gab mein Freund zum Besten.

„Raishinshu…“ Immer noch versteinert von der Eleganz des Trios, zupfte Levy an ihren Haarsträhnen herum.

„Und wie heißen wir jetzt?“

Ratlosigkeit breitete sich aus. Macao und Wakaba hatten sich längst von uns abgewandt und tranken weiter ihr Bier und die Dämonin stand wieder an der Theke und sprach angeregt mit ihren Geschwistern.
Hinter uns hörten wir das Gebrüll von Natsu und Gray, welche sich mal wieder prügelten.
„Ich hab‘s“ rief die Blauhaarige aus und schnippte mit den Fingern.
„Ab heute sind wir Team Shadow Gear!“ Strahlend blickte sie zu uns.
„Shadow Gear?“
Einen zweifelnden Unterton konnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht verbergen.
„Was soll das den heißen?“ auch der Dritte im Bunde schien so seine Bedenken zu haben.
„Na wir sind ein Team und Shadow Gear klingt einfach so wahnsinnig cool. Ausserdem hab ich das irgendwann schon mal in einem Buch gelesen.“
Heller als die Sonne strahlte sie, jedenfalls sah ich das so, und damit das auch so blieb, trugen wir seit dem den Namen Team Shadow Gear.
~


Er zerknüllte erneut ein Blatt Papier.
Wie sollte er nur anfangen? Einfach drauf los? Nein, das würde sie wahrscheinlich abschrecken. Aber wie dann?
Müde erhob er sich von seinem Stuhl, um sich ein Glas Wasser zu holen. Aus dem Zimmer seines Mitbewohners hörte er gleichmäßiges Schnarchen.
Wäre er doch nur ein bisschen mehr wie er, vielleicht könnte er sich dann mit der Situation abfinden.
Er spähte vorsichtig durch den Türspalt. Das Zimmer seines Freundes lag in tiefster Finsternis, selbst das Mondlicht hatte keine Chance, durch den dicken, samtigen Stoff der Gardinen zu kommen.
Langsam und darauf bedacht keine Geräusche zu machen, suchte er seinen Weg in die Küche.

Erfrischt setzte er sich wieder an seinen Schreibtisch.
Voller Tatendrang stippte er die Feder in die blaue Tinte und ehe er sich es versah, tropfte er mitten auf das Papier.
Fluchend zerriss er es in kleine Stücke und warf es wie Konfetti hinter sich. Er wollte es doch nur ein letztes Mal versuchen.
Einmal war er schon abgeblitzt, damals, genau wie sein Kumpel, doch das Verlangen brannte in ihm, ihr zu sagen, dass er auch nach vielen Jahren das Gleiche für sie empfand.
Wäre da nur nicht dieser vermaledeite Dragonslayer.


~
Es war spät am Abend. Der Master hatte nach dem Angriff von Phantom Lord eine Warnung an alle Mitglieder herausgegeben, sich nicht alleine vor die Tür zu bewegen.
Aufgeregt und auf der Rückkehr von unserem letzten Auftrag, schlenderten wir durchs nächtliche Magnolia. Etwas verunsichert waren wir schon, doch das fröhliche Auftreten von Levy beruhigte mich sehr.
Ich liebte es, wenn sie wie ein Flummi auf und ab hüpfte und ihre positive Energie verströmte.
Wir freuten uns einfach, dass sie sich in unserer Gegenwart so sicher fühlte.

Doch leider war dem nicht so.

Aus einem Hinterhalt stürzte eine dunkle Gestalt auf uns zu.
Er nannte keinen Namen, doch ich hatte sein Gesicht schon mal gesehen. Auf seiner Schulter prangte das Symbol von Phantom Lord.
Immer wieder schlug der Dragonslayer auf uns ein. Droy lag bereits am Boden und auch mir fehlte die nötige Kraft gegen ihn Stand zu halten.
Wichtig war nur, dass Levy in Sicherheit war, dafür würde ich mit meinem Leben kämpfen.
Ihr durfte einfach nichts passieren.
Doch dann traf mich seine Eisenattacke am Kopf. Ich hatte das Gefühl, er würde zerbärsten und kurz bevor ich das Bewusstsein verlor, wurde mir klar, dass nun auch sie zu seinem Opfer werden würde.
Ich hasste mich dafür, dass ich so schwach war.
~


Die Erinnerung an Gajeels Angriff waren noch immer so real, als seien sie gestern erst passiert. Natürlich hatte er dem Schwarzhaarigen längst vergeben, doch vergessen konnte man nicht so einfach.
Oder doch?
Immer wieder fragte er sich, was wohl geschehen wäre, wenn er die Attacke hätte stoppen können.
Sähe die Zukunft jetzt anders aus?
Wäre sie genauso glücklich?
Er schüttelte den Kopf um diese widerspenstigen Gedanken loszuwerden. Er wollte doch nur einen Liebesbrief schreiben.
War das zu viel verlangt?
Mit der flachen Hand schlug er auf seinen Schreibtisch ein, stoppte jedoch sofort wieder. Er wollte seinen Freund schließlich nicht wecken. Wieder hing er seinen Erinnerungen nach.


~
Wir konnten kaum glauben, dass er uns tatsächlich in diesen Park begleitete. Eigentlich wollten wir nur mit ihm reden, doch sein arrogantes Verhalten brachte das Blut in meinen Adern zum kochen.
Ich wollte ihn dafür bestrafen, dass er Levy das angetan hatte.
Ungehalten stürmte mein Teamkamerad auf den Dragonslayer zu. Sein Angriff traf. Überrascht wandte ich mich an Levy, die entsetzt hinter einem Baum hervor lugte.
Konnte das wirklich sein?
Hat er sich extra treffen lassen?
Wie dem auch sei, in dem Moment war es mir ganz recht. Mit all meiner Kraft warf ich mich gegen ihn und unsere Kombinationsattacke schleuderte den Schwarzhaarigen ein paar Meter in das nächste Gebüsch.
Das tat so gut.
Immer wieder traf unsere Magie seinen Körper und nach einiger Zeit sah er ganz schön mitgenommen aus.
Mein Kumpel und ich nickten uns zu. Wir wollten gehen. Unsere Arbeit war verrichtet, unsere Wut besänftigt.
Wir würden ihm nicht verzeihen, aber wir würden akzeptieren, dass er nun einer von uns ist.

Just in diesem Moment brach eine gewaltige Donnerexplosion über uns herein. Gajeel schrie auf.
Sein Körper hatte die Blitze aufgenommen.
Überall knisterten sie und verbrannten seine Haut.
Völlig außer Atem und schwer verwundet kniete er im Gras.
Als Laxus sich zeigte, war uns klar, dass es kein Spiel mehr war, sondern bitterer Ernst.
Trotzdem wehrte sich Gajeel nicht.
Levys Wimmern und Flehen, das Laxus aufhören sollte, war kaum zu überhören. Sie traute sich sogar ganz hervor zutreten.
Dann ging alles furchtbar schnell.
Ein Blitz fegte an uns vorbei, direkt auf unsere Freundin zu. Regungslos musste ich mit ansehen, dass ihr keine Flucht gelingen würde.
Ich schloss meine Augen. Jeden Moment erwartete ich, verbranntes Fleisch zu riechen, das tat ich auch, aber der Schrei meiner Kameradin blieb aus.
Erst Sekunden später fühlte ich mich in der Lage hinzusehen und schüttelte die Schockstarre ab.
Vor ihr stand Gajeel, mittlerweile schwer verletzt.
Ich konnte es kaum fassen. Hatte er sich tatsächlich dazwischen geworfen und den Angriff mit seinem Körper abgefangen?
Als er murrend von dannen zog brach unsere Freundin bitterlich weinend zusammen.
~


Auch jetzt noch bekam er eine Gänsehaut, wenn er an diesen Tag dachte.
Ja er war sich sicher, dass er Gajeel vergeben konnte, doch Vertrauen? Das wohl eher nicht.
Seufzend holte er eine neue, weiße Kerze aus seiner Schreibtischschublade und drückte sie in das noch weiche Wachs. Er atmete den Schwefelgeruch des soeben gezündeten Streichholzes ein und schloss die Augen.
Seit diesem Tag schien der Dragonslayer immer an ihrer Seite zu verweilen. Aus Erzählungen von Levy und Natsu wusste er, dass es an jenem Tag nicht der einzige Blitz war, den der Schwarzhaarige für die zierliche Scriptmagierin abgefangen hatte.
Und selbst Natsu schien er beschützt zu haben.
Ein bisschen neidisch auf diese Kraft und seine Ausdauer war er ja schon.


~
Nachdem die Fantasia stattgefunden hatte, trafen sich alle Mitglieder wieder in der Gilde. Levy feierte mit uns und trank seit langem mal wieder einen Krug Wein. Immer wieder berichtete sie von diesem Kampf in der Kathedrale. Auch wenn es nicht um mich ging, könnte ich ihrer Stimme viele weitere Stunden zu hören.
Ihre Freude, ihre Aufregung, jede Art von Emotion legte sie in ihre Worte.
Man hatte das Gefühl alles mitzuerleben.
Ihr herzhaftes Lachen unterstrich die Erleichterung darüber, Laxus Amoklauf gestoppt zu haben.
Während ich an der Theke bei Mirjane stand, um Nachschub zu holen, konnte ich einen Blick auf den zweiten Stock erhaschen. An dem Geländer lehnte Gajeel und wenn ich es richtig erkannte, dann beobachtete er unsere Levy.
Was bildete er sich eigentlich ein?
Ein bisschen unheimlich fand ich ihn ja schon…
~


Ja, er fand ihn furchtbar und unheimlich. Doch außer ihm und seinem besten Freund schien das seit jenem Tag niemand mehr so zu sehen.
Im Gegenteil.
Immer wieder tauchte er auf, immer wieder wurde er auf Veranstaltungen eingeladen und obwohl er sich ständig beschwerte, war er anwesend.

Missmutig kickte er eine Papierkugel in die andere Ecke des Raumes.
Blöder Eisenmagier.


~
Ein Jubel durchbrach die Stille, als der Master endlich die Bühne betrat.
Es war soweit.
Heute würden endlich wieder die Magier bekanntgegeben, die zur S-Rang Prüfung durften. Mein Gott war ich nervös.
Große Chancen rechnete ich mir gegen die anderen nicht aus, aber die Hoffnung stirbt zuletzt.
Als Levys Name fiel und mein Kumpel einen begeisterten Freudentanz aufführte, waren meine Ambitionen vergessen. Natürlich hatte sie es verdient. Niemand anderes. Und ich war froh, so konnte ich wenigstens eine Prüfung miterleben.
Sicherlich, Levy hatte noch nicht gesagt, dass sie mich mitnehmen wird, aber dass sie es tat, stand außer Frage.
Leider hatte ich meinen Kumpel vergessen.
Wie aus dem Nichts verpasste er mir eine Kopfnuss und stürzte sich auf die Blauhaarige.
Na warte, dir werde ich‘s zeigen.
Dass sie hilflos neben uns stand und verzweifelt zwischen uns hin und her schaute versuchte ich zu verdrängen.

Als sie plötzlich quiekte, war mein Kampfgeist dahin. Ich sah den mächtigen Dragonslayer, der sich hinter ihr aufbaute.
Wollte er sie tatsächlich begleiten?
Natürlich würde sie mit ihm gute Chancen haben, doch das war doch nicht sein Ernst, oder?
Gebannt verfolgte ich ihr Gespräch.
„Ich mach dich groß“, sagte er und da sah ich es zum ersten Mal.

Sie wurde rot.

Ihr gefiel was dieser vermaledeite Eisenschädel mit ihr tat. Dieses zarte Lächeln und diese verräterisch rosigen Wangen.
Wie oft habe ich mir gewünscht, dass sie mich so ansieht. Ich hätte es sogar meinem Kumpel gewünscht, aber ihm?
Tränen drückten gegen meine Lider. Ich versuchte krampfhaft sie zurückzuhalten, doch es gelang mir nicht.
Ich weinte.
Nicht, weil er sie begleitete, das dachten viele, doch ich weinte, weil ich mir in diesem Moment bewusst wurde, dass ich sie verloren hatte.
~


Mit einem Taschentuch tupfte er sich die aufkommenden Tränen von den Wangen.
Diese Erinnerung schmerzte beinah genauso stark, wie früher. Immer wieder wiederholte er sie vor seinem inneren Auge, bis er dessen überdrüssig wurde.
Nach diesem Tag veränderte sich alles.
Die Magier verließen die Gilde um die Prüfung zu absolvieren und kehrten sieben lange Jahre nicht zurück.
Sieben Jahre dachte er, alles verloren zu haben.
Der Gedanke an ihren Tod, schmerzte ihn mehr, als der, dass sie ein Leben mit Gajeel führen könnte.
Ein schwerer Seufzer entrann ihm.

Während all dieser Zeit hatte er versucht sich abzulenken, hatte eine Freundin gefunden.
Sie hatte blaue Haare, genau wie Levy. Doch der ständige Vergleich ließ die Beziehung nach wenigen Wochen zerbrechen. Es war besser so, das Mädchen verdiente jemanden, der sie aufrichtig liebte und nicht ihn.
Mit einem Kopfschütteln versuchte er die Gedanken zu verdrängen. Levy war niemals Tod und sie war immer noch bei ihnen.
Das genügte ihm.


~
Überglücklich stürmten wir über die Insel. Nachdem wir Natsu entdeckt hatten, führte uns Mavis zu den Anderen.
Voller Vorfreude hielten wir nach einem blauen Haarschopf Ausschau, und fanden ihn.
Sie saß im Schatten eines riesigen Baumes und lehnte an Gajeel. Gott, war ich eifersüchtig.
Sie missbrauchte seinen Rücken als Stütze und hievte sich an seiner Schulter in den Stand.
Wie gerne wäre ich diese Schulter gewesen.
Doch als sie uns sah, waren weder Freude noch Erleichterung in ihren Augen zu sehen.
Sie war geschockt, ja sie erkannte uns im ersten Moment nicht einmal.
Minuten später, nachdem Mavis erklärte, was hier vorgefallen war, schien sie sich gesammelt zu haben.

„Jet! Droy!“
Es tat so gut, meinen Namen nach so einer langen Zeit wieder aus ihrem Mund zu hören. Unsicher umarmte sie uns.
„Wir sind so froh, dass du lebst“, entgegnete mein Kumpel ihr. Das Lächeln, welches sich auf ihre Lippen legte, brachte mein Herz zum Schlagen.
Eine Wärme, von der ich dachte, sie niemals wieder spüren zu können, erfüllte mich.
Vorsichtig legte ich meinen Arm um ihre Schultern und drückte sie.

Während der Rückfahrt wurde es still auf dem Boot. Jeder schien das Gesehene und das Erlebte erst einmal verarbeiten zu müssen.
Wir wollten dem nicht im Weg stehen.
Mein Kumpel und ich verzogen uns unter Deck und tranken ein Bier.
„Meinst du, wir haben jetzt Chancen bei ihr? Immerhin sehen wir jetzt viel männlicher aus.“
Mein Teamkollege war unverbesserlich. Doch er sprach aus, was ich mir dachte, was ich mir erhoffte.
Habe ich jetzt, sieben Jahre später, endlich eine Chance bei ihr?
Ich wusste nur, dass ich es langsam angehen lassen muss.
~


Er war froh, dass sie wieder da war.
Team Shadow Gear war wieder vereint und er genoss jede Sekunde, die er mit ihr verbringen konnte.
Deshalb wollte er auch diesen Brief schreiben.
Doch immer wieder hielten ihn seine Erinnerungen davon ab. Eigentlich kann er ja froh sein, dass sie überhaupt noch ein Team mit ihnen bildet.
Spätestens die Tanzrunde in dem Garten der alten Mühle ließ die Illusion einer möglichen Beziehung in tausend Scherben zerspringen.


~
„Oi“ lustlos beobachtete Gajeel die tanzenden Gildenmitglieder.
„Nur zu deiner Information, ich werde nicht tanzen!“
Levy zog ihre Augenbrauen kraus und blies ihre Wangen auf. Wie sehr ich ihn beneidete, so eine Reaktion in ihr hervorzurufen.
Doch ich wollte mir eben diese Chance nicht entgehen lassen. Nur war ich wieder einmal nicht alleine mit meiner Idee.
Mein Teamkamerad stürzte sich ebenfalls auf die Blauhaarige. Wie aus einem Munde forderten wir sie zu einem Tanz auf.
Während ich mich mit ihm stritt, entging mir Gajeels genervtes Augenrollen nicht.

Ein Wimpernschlag später hatte er sich meine Freundin geschnappt und wiegte sich mit ihr gleichmäßig im Takt der Musik.
Verdammte scheiße sahen die beiden dabei gut aus.
Doch das würde ich niemals zugeben.
Nie!
Nie!
Nie!
Ich konnte nur noch mit offenem Mund und meinem Teamkollegen an meiner Seite ihren harmonischen Bewegungen folgen.
Sie sah so glücklich aus.
An diesem Tag fiel mir das erste Mal auf, dass auch er sich scheinbar Gedanken um sie macht. Ich hatte sie sowas von verloren.
~


Verächtlich schnaubend ließ er seine Stirn auf die Unterarme sinken. Es war offensichtlich, dass die Levy und Gajeel Gefühle füreinander hegten.
Immer wieder konnte er die beiden in der Gilde bei ihrem Katz und Maus Spiel beobachten. Alle schienen es zu merken, nur nicht die Fee und der Drache.
Trotzdem wollte er immer noch einen Brief schreiben.
Nur warum fiel es ihm derart schwer, seine Gefühle zu Papier zu bringen?


Liebe Levy,
Ich weiß, dass ich für dich nur ein Freund bin und du mich lieber zum Bruder hättest als…


Wieder zerfetzte er seinen Zettel und starrte missmutig in die Kerzenflamme. Sie war fast abgebrannt, doch eine Neue war nicht mehr nötig.
Am Horizont kämpfte sich grade die Sonne hervor und erweckte Magnolia zu neuem Leben. Das zarte Orange, welches die nächtliche Schwärze durchriss, breitete sich auch in seinem Zimmer aus.


Liebe Levy,
Wie ich dich liebe?
Lass mich erzählen wie.
Ich liebe dich so hoch, so weit, als meine Seele blindlings reicht, wenn sie ihr Dasein abfühlt und die Ewigkeit.
Ich liebe dich bis zu dem stillsten Stand, den jeder Tag erreicht im Lampenschein oder in der Sonne. Frei, im Recht, und rein wie jene, die vom Ruhm sich abgewandt.
Mit aller Leidenschaft der Leidenszeit und mit der Kindheit Kraft, die fort war, seit ich nicht mehr geliebt.
Mit allem Lächeln und allen Träumen, aller Tränennot. Und wenn es Gott gibt, will ich dich lieben auch nach meinem Tod.


Er stöhnte auf. Niemals sollte sie das zu Gesicht bekommen. Er betrachtete sein Werk erneut und zündete ein Streichholz.
Seine Gefühle sollten in Flammen aufgehen, bevor sie der Falsche zu lesen bekommt. Dann nahm er sich ein neues Blatt Papier.
Sein Letztes und schrieb:

Liebe Levy,
Zu deinem Geburtstag wünsche ich dir
die Lust zum Tanzen, als ob dich niemand sieht,
die Kraft zum Lieben, als seist du nie verletzt worden,
den Mut zu singen, als ob dich niemand hört und
ein Leben als sei es der Himmel auf Erden.

Endlich war er zufrieden. Er faltete den Brief, steckte ihn in ein veilchenblaues Kuvert und stürmte gemeinsam mit seinem Freund Droy aus der Wohnung. Bevor sie zur Gilde gingen, pflückten sie einen Strauß mit den buntesten Wildblumen.
Heute hatte ihr Teammitglied Geburtstag und sie hatten das Ziel, es zu dem schönsten Tag zu machen, den sie jemals hatte.

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